Jugend am Werk hat in Kooperation mit dem Mauthausen Komitee Österreich die 96-jährige Zeitzeugin Lucy Waldstein zu einem Gespräch eingeladen. Sie erzählte uns über ihre Erlebnisse als junges Mädchen, als sie mit 8 Jahren wegen der Verfolgung von Juden aus Österreich fliehen musste…
Am 8. Mai wird das Ende des Zweiten Weltkrieges gefeiert. An diesem Tag wird seit 2013 vom Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ), das von Überlebenden des Konzentrationslagers Mauthausens gegründet wurde, das Fest der Freude am Wiener Heldenplatz organisiert. Bei diesem Gedenktag wird an die Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft erinnert und die Befreiung vom Nazi-Regime gefeiert.
Das Mauthausen Komitee veranstaltete dieses Jahr gemeinsam mit Jugend am Werk ein Gespräch mit der Zeitzeugin Lucy Waldstein im Lehrbetrieb Lorenz-Müller-Gasse. Auch wir von der #futurefactory waren mit zahlreichen interessierten Teilnehmerinnen vor Ort. Gespannt hörten wir zu wie Lucy Waldstein aus ihrem ereignisreichen Leben erzählte.
Lucy wurde 1930 in Wien geboren und führte bis zur Machtergreifung der Nazis ein glückliches Leben. Obwohl ihre Eltern sie vor den Grausamkeiten der Nazi-Herrschaft – so gut es ging – beschützten, erlebte sie in der Schule Diskriminierung. So mussten alle jüdischen Schüler*innen auf einmal in den hinteren Reihen sitzen. Ihre Mitschüler*innen redeten nicht mehr mit ihr – Lucy und ihre Schwester Inge wurden in der Schule mit bösen Bemerkungen und Übergriffen drangsaliert.
Im Juli 1938 musste die Familie Österreich verlassen, da ihr Vater – ein jüdischer Journalist – vor einer drohenden Verhaftung gewarnt wurde. Lucy und ihre Schwester wurden nach England in ein Internat einer Klosterschule geschickt. Ihre Eltern konnten nur nach Trinidad einreisen, denn es war sehr schwierig als jüdischer Flüchtling eine Aufenthaltserlaubnis in England zu bekommen. Ein Jahr später reisten die Mädchen ihren Eltern per Schiff nach. Dort mussten sie 15 Monate in einem Lager für „feindliche Ausländer“ bleiben. Danach lebte die Familie in einer kleinen Wohnung, ihre Mutter verdiente etwas Geld mit Putzen und Kochen.
1944 starb Lucys Vater nach einer Gallenoperation. Nach seinem Tod schaffte es seine Witwe mit ihren Töchtern in die USA nach Alabama einzureisen. Dort war sie als Kind schockiert von den Zuständen im rassistischen Süden der USA, wo Menschen mit schwarzer Hautfarbe nicht auf derselben Sitzbank wie Weiße sitzen durften. Dieses rassistische System ist für Lucy Waldstein ähnlich wie das Nazi-Regime „eine andere Form von Vorurteilen“ gewesen. Sie war froh, als sie bald ins multikulturelle New York ziehen konnten.
Die Lebensgeschichte von Lucy Waldstein hat uns sehr beeindruckt. Am Ende der Veranstaltung konnten wir auch Fragen stellen. Als wir Lucy auf die aktuelle Lage der Welt mit vielen Kriege ansprechen, merkt sie an, dass auch für sie die momentane Situation beängstigend ist. Ihr Ratschlag ist: nicht leise zu sein, wenn es um Verbrechen gegen die Menschlichkeit geht und zu lernen wie frau Rassismus bekämpfen kann. Mutige Worte einer mutigen Frau!

Eindrücke von unseren Teilnehmerinnen zum Zeitzeug*innen-Event:
„Ich mochte das Zeitzeuginnen-Interview, weil wir von Lucy Waldstein erzählt bekommen haben, wie es damals war. Ich fand es sehr interessant.“
„Es war interessant ihren Blickwinkel zu hören, weil sie als Kind nicht so viel mitbekommen hat, da ihre Eltern versucht haben sie zu beschützen. Die anschließende Fragerunde mit ihr und auch die Diskussionsrunde unter uns #futurefactory-Teilnehmer*innen hat zum Nachdenken angeregt.“
„Mir hat gefallen, dass wir trotz des deprimierenden Themas mit ihr lachen und Lucy Fragen stellen konnten.“
Mehr Infos zu Lucy Waldstein und dem Fest der Freude findest du hier:
Zeitzeugin Lucy Waldstein | Fest der Freude | Tag der Befreiung 8. Mai
Hier kannst mehr über die Arbeit und Angebot vom Mauthausen Komitee Österreich erfahren:
F.F./G.A. + Feedback Teilnehmer*innen anonym



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