Jasmin: Aus dem Blickwinkel meiner neuen Identität

Unter dem Titel „DIVÖRSITY“ finden erstmals die österreichischen Tage der Diversität statt.

Aus diesem Anlass erarbeiteten die Teilnehmer*innen der #futurefactory diverse Projekte, welche am 16. Oktober 2018 bei unserer Vernissage im Schulungszentrum Gasometer vorgestellt wurden.

Im Deutsch-Training bekamen unsere Teilnehmer*innen eine neue Identität und sie erzählten aus dem Alltag ihres neuen Ichs:

Ich bin Russe, an die 40 Jahre alt, single und bin heterosexuell.

Ich bin Atheist, akzeptiere aber jede Religion.

Ich bin in Wien aufgewachsen und habe den Hauptschulabschluss in Wien beendet.

Ich arbeite beim McDonald’s um nette hübsche Frauen kennenzulernen.

Es ist eine gute Arbeit und obwohl ich gehörlos bin, sind alle super freundlich und hilfsbereit.

In der Arbeit gibt es ein paar Kollegen, die die Gebärdensprache gelernt haben, weil sie es interessant gefunden haben und jetzt können sie sich so mit mir verständigen.

Da ich gehörlos bin habe ich sehr gute Menschenkenntnisse: Ich achte sehr auf Mimik, Gestik, forsche die Körpersprache von anderen Menschen aus.

In der Früh mach ich mir einen Kaffee und gehe nachher mit Motivation in die Arbeit.

Ich erledige meine Aufgabenbereiche genauso wie meine anderen Kollegen.

Nach der Arbeit gehe ich einkaufen, koche für mich mein Essen und putze nebenbei.

Bevor ich schlafen gehe, lese ich ein Buch solange bis ich einschlafe ohne das ich´s bemerke.

In meiner Freizeit gehe ich gern mit meinen Kollegen zum Bowling und trinken.

Wir unternehmen sehr viel, gehen sogar reisen, besuchen Museen und betreiben Sport im freien, aber ich beschäftige mich auch gerne selber: Ich lese liebend gerne Bücher und male hobbymässig, gerne spiele ich aber auch ab und zu PlayStation.

Einmal in der Woche ist ein Männerabend (sind dann nur männliche Kollegen), da wird getrunken, Karten gespielt und Gaude gemacht, also gelacht wird immer.

Am Wochenende ist immer das Familientreffen, worauf ich mich immer freue.

Ich distanziere mich vor fremden Menschen und Radfahrer sind für mich sehr unsympathisch.

Es ist öfters der Fall, wenn ich bei der Ampel stehe und warte, dass mich Radfahrer beschimpfen, aus dem Grund, weil ich zufällig im Weg stehe und die Klingel nicht hören kann bzw. hinten keine Augen habe.

Im Grunde genommen genieße ich das Leben, ich bin wunschlos glücklich.

Habe eine Wohnung, lebe allein und hab sehr gute Kollegen, die ich schon als Familienmitglieder ansehe, weil ich diese schon jahrelang kenne und wir immer etwas gemeinsam unternehmen.

Manchmal fragen mich einige Leute ob ich nicht traurig bin, weil ich ja gehörlos bin.

Da ich von Geburt an gehörlos bin, fehlte es mir nicht. Es wäre, glaube ich anders, wenn ich weiß wie sich alles anhört und nachher dann gehörlos geworden wäre.

 

–        Jasmin